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USA abseits der Nationalparks – warum ich das liebe

ca. 7 Min. Lesezeit

Wer an eine Reise durch die USA denkt, hat wahrscheinlich ziemlich schnell Bilder vom Grand Canyon, Yosemite oder Zion im Kopf. Völlig zu Recht. Die amerikanischen Nationalparks gehören zu den beeindruckendsten Landschaften, die ich auf meinen Reisen gesehen habe.

Und trotzdem hat sich mein Blick darauf im Laufe der Jahre ein wenig verändert.

Bei meinen ersten USA-Reisen wollte ich natürlich möglichst viel von dem sehen, was man aus Reiseführern, Filmen und Bildbänden kennt. Heute freue ich mich noch immer auf einen Nationalpark. Aber ich brauche nicht mehr jeden Tag eine weltberühmte Sehenswürdigkeit, damit sich eine USA-Reise für mich richtig gut anfühlt.

Ganz im Gegenteil: Einige Erlebnisse, an die ich mich besonders gerne erinnere, fanden ziemlich weit entfernt von den großen touristischen Highlights statt.

Keine Frage: Die großen Nationalparks sind beeindruckend

Bevor das hier falsch verstanden wird: Ich möchte niemandem die Nationalparks ausreden.

Bei einer klassischen Rundreise durch den Südwesten würde auch ich die Route um einige dieser Parks herum aufbauen. Grand Canyon, Yosemite, Zion und die anderen großen Namen sind schließlich nicht zufällig so bekannt geworden.

Mein persönlicher Favorit ist bislang mit großem Abstand der Zion National Park.

Wenn die Sonne scheint und über einem dieser tiefblaue Himmel steht, leuchten die Felsen in unglaublich kräftigen Farben. Dazu kommen die schiere Größe der Felswände und das Gefühl, zwischen diesen riesigen Formationen ziemlich klein zu sein. Zion hat mich bei meinen Besuchen nachhaltig beeindruckt.

Der Grand Canyon ist genauso beeindruckend, aber für mich auf eine völlig andere Art. Und mit dem Denali National Park und dem Kenai Fjords National Park kommen in Alaska noch einmal Landschaften hinzu, die ohnehin kaum mit dem Südwesten vergleichbar sind.

Ich habe bei weitem noch nicht alle amerikanischen Nationalparks besucht. Einige stehen also noch auf meiner Liste.

Andere müsste ich dagegen nicht unbedingt ein zweites Mal sehen.

Die Everglades gehören für mich beispielsweise dazu. Ich bin froh, dort gewesen zu sein, aber ein weiterer Besuch steht auf meiner persönlichen Wunschliste nicht besonders weit oben. Mein inzwischen fast volljähriger Sohn sieht das übrigens völlig anders. Der ist von den Everglades Feuer und Flamme.

So sind die Geschmäcker eben verschieden.

Bekanntheit hat allerdings ihren Preis

Die großen Nationalparks haben ein Problem: Sie sind großartig – und das wissen inzwischen ziemlich viele Menschen.

Gerade während der Hauptreisezeiten kann es entsprechend voll werden. Parkplätze, Shuttlebusse, Aussichtspunkte und besonders beliebte Wanderwege teilt man sich dann mit ziemlich vielen anderen Besuchern.

Natürlich liest man häufig den Tipp, die Nationalparks einfach außerhalb der Hauptsaison zu besuchen. Das ist sicher eine gute Idee – wenn man es denn kann.

Wer Kinder im schulpflichtigen Alter hat, kann sich seine Reisezeit aber nicht beliebig aussuchen. Das kenne ich selbst nur zu gut. Unsere großen Familienreisen finden ebenfalls überwiegend während der Schulferien statt.

Für mich ist die Konsequenz deshalb nicht, auf die bekannten Nationalparks zu verzichten. Ich schaue inzwischen einfach zusätzlich, was entlang unserer Route noch liegt.

State Parks: die oft übersehenen kleinen Brüder

Davon gibt es in den USA reichlich.

State Parks stehen international deutlich weniger im Rampenlicht als die großen Nationalparks. Dabei können auch sie landschaftlich richtig beeindruckend sein.

Und das Schöne daran: Man muss sie häufig gar nicht aufwendig suchen oder für jeden State Park die komplette Reiseplanung umwerfen.

Rund um Las Vegas liegen beispielsweise mit dem Red Rock Canyon und dem Valley of Fire zwei fantastische Landschaften praktisch vor der Haustür. In Utah lässt sich das Goblin Valley in viele Roadtrip-Routen einbauen.

Und auf der anderen Seite des Landes gibt es beispielsweise den Chimney Rock State Park in North Carolina. Er liegt am Lake Lure und nicht weit von Asheville entfernt.

Michael am Chimney Rock mit Blick auf Lake Lure in North Carolina

Allein der Blick von dort oben auf Lake Lure und die Landschaft von North Carolina zeigt ziemlich gut, warum ich inzwischen bei der Reiseplanung immer auch nach State Parks Ausschau halte.

Und Chimney Rock hat eigentlich genug zu erzählen, um ihm noch einen eigenen Blogbeitrag zu widmen.

Einfach einmal auf die Karte schauen

Wenn deine grobe Route feststeht, schau nach, welche State Parks unmittelbar an der Strecke oder nur einen kleinen Umweg entfernt liegen. Nicht jeder davon braucht einen kompletten Reisetag. Manchmal reichen zwei oder drei Stunden für einen richtig schönen Zwischenstopp.

Aber eigentlich geht es mir gar nicht nur um Parks

Je häufiger ich in den USA unterwegs war, desto mehr habe ich gemerkt, dass es mir gar nicht darum geht, einen Nationalpark durch einen State Park zu ersetzen.

Es geht um etwas anderes.

Ich mag inzwischen auch die ganz normalen USA.

New York wird wahrscheinlich nie seinen Reiz für mich verlieren. Ich liebe diese Stadt. Und natürlich würde ich auch einem USA-Erstbesucher nicht erzählen, er solle San Francisco auslassen und stattdessen lieber ein paar Tage in irgendeiner amerikanischen Kleinstadt verbringen.

Aber nach vielen Reisen freue ich mich heute genauso darauf, an Orten unterwegs zu sein, die in einem deutschen USA-Reiseführer vielleicht nur eine Randnotiz bekommen – oder überhaupt nicht auftauchen.

Die USA finden für mich auch zwischen den Sehenswürdigkeiten statt

Greensboro in North Carolina ist dafür ein gutes Beispiel.

Für die meisten deutschen USA-Urlauber dürfte Greensboro nicht unbedingt ganz oben auf der Wunschliste stehen. Genau das gefällt mir daran.

Wenn ich dort in ein Restaurant gehe, sitze ich meistens zwischen Einheimischen. Ich gehe dort gerne einkaufen, egal ob im Supermarkt oder in einer Mall. Das Autofahren ist entspannt und wenn man möchte, kommt man ziemlich schnell mit Menschen ins Gespräch.

Das sind keine Erlebnisse, für die ich morgens eine Eintrittskarte reservieren muss. Und vermutlich würde niemand dafür eine Liste mit den „10 wichtigsten Sehenswürdigkeiten der USA“ umschreiben.

Trotzdem bekomme ich dort etwas mit, das ich auf meinen Reisen sehr mag: ein Stück ganz normalen American Way of Life.

Und manchmal ist genau das für mich interessanter als der nächste Punkt auf einer Sehenswürdigkeitenliste.

Manchmal gehört eben auch eine Bowlingbahn zur USA-Reise

Bowling ist eines meiner Hobbys. Warum sollte das im Urlaub plötzlich keine Rolle mehr spielen?

Also war ich natürlich auch schon in den USA auf Bowlingbahnen unterwegs.

Michael beim Bowling auf einer Bowlingbahn in den USA

Ich habe mir sogar mehrmals eine Bowlingkugel aus den USA mit nach Deutschland gebracht.

Das wiederum sorgt am Flughafen für Situationen, die in keinem Reiseführer stehen.

Eine Bowlingkugel im Reisegepäck scheint jedenfalls interessant genug zu sein, um bei der Security die eine oder andere Frage auszulösen. Die Gespräche darüber waren teilweise mindestens genauso spannend wie die Frage, wie ich das zusätzliche Gewicht anschließend vernünftig nach Deutschland bekomme.

Natürlich fliege ich nicht wegen einer Bowlingbahn in die USA. Aber solche Dinge gehören für mich inzwischen genauso zu einer Reise wie Aussichtspunkte, Wanderungen oder bekannte Sehenswürdigkeiten.

Was bleibt eigentlich von einer Reise?

Wenn ich an vergangene USA-Reisen zurückdenke, sind es längst nicht immer nur die großen Sehenswürdigkeiten, die mir zuerst einfallen. Manchmal ist es ein Restaurantbesuch, ein Gespräch mit Einheimischen, ein Einkauf im Supermarkt oder eben ein Abend beim Bowling. Planen kann man solche Erinnerungen nur bedingt – Platz dafür lassen aber schon.

Beim ersten USA-Urlaub würde ich trotzdem anders planen

Das alles bedeutet nicht, dass ich einem USA-Neuling zu einer Reise ausschließlich abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten raten würde.

Wer zum ersten Mal in New York steht, den Grand Canyon sieht oder zwischen den Felswänden im Zion National Park unterwegs ist, erlebt schließlich etwas ganz Besonderes.

Beim ersten oder zweiten USA-Urlaub möchte man viele dieser Orte einfach sehen. Das ging mir nicht anders.

Mit jeder weiteren Reise hat sich bei mir aber die Gewichtung verändert.

Ich muss heute nicht mehr möglichst viele Häkchen auf einer Liste setzen. Lieber lasse ich an einer Stelle etwas weg und habe dafür unterwegs Zeit, irgendwo anzuhalten, wo ursprünglich vielleicht gar kein großer Programmpunkt vorgesehen war.

Das kann ein State Park sein. Eine kleine Stadt. Ein Restaurant. Eine Mall. Eine Bowlingbahn. Oder einfach irgendein Ort, den ich am Morgen noch gar nicht auf dem Schirm hatte.

Es gibt nicht die eine perfekte USA-Reise

Vielleicht ist das ohnehin eine der wichtigsten Erkenntnisse aus meinen inzwischen vielen Reisen durch die USA.

Eine gute Rundreise muss nicht diejenige sein, auf der man die meisten berühmten Orte gesehen hat.

Natürlich gehören Nationalparks für mich weiterhin zu den USA. Ich werde weitere besuchen und ganz sicher auch in den einen oder anderen zurückkehren. Für Zion würde ich beispielsweise nicht lange überlegen.

Aber die USA sind eben sehr viel größer als ihre Nationalparks.

Und deshalb würde ich bei der Planung immer ein wenig Platz zwischen den großen Namen lassen. Für einen State Park, von dem man vorher noch nie gehört hat. Für eine Stadt, in der kaum andere deutsche Urlauber unterwegs sind. Oder einfach für etwas, das zu den eigenen Interessen passt.

Denn irgendwann erinnert man sich vielleicht nicht nur daran, vor dem Grand Canyon gestanden zu haben.

Vielleicht erinnert man sich genauso gerne an den Abend, an dem man irgendwo in North Carolina zwischen lauter Einheimischen saß.

Oder an die Diskussion mit der Security am Flughafen über eine Bowlingkugel im Reisegepäck.

Auch das sind für mich die USA.

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