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Wenn Essen zum Erlebnis wird – vier tolle Beispiele

ca. 11 Min. Lesezeit

Ich mag Wendy’s. Ich gehe gerne zu Chick-fil-A. Und wenn wir unterwegs sind und einfach nur Hunger haben, darf es natürlich auch mal irgendein Burgerladen am Highway sein.

Aber jeden Abend möchte ich so nicht essen.

Gutes Essen gehört für mich zu einer USA-Reise genauso dazu wie ein schöner Nationalpark, eine interessante Stadt oder ein gutes Hotel. Wobei „gut“ für mich nicht automatisch teuer, elegant oder Fine Dining bedeutet. Manchmal ist es ein hervorragendes Steak in einem Restaurant mit weißen Tischdecken. Manchmal ein Hackbraten mit Bacon Jam. Und manchmal sitzt man zwischen alten Nummernschildern und bestellt nach dem Abendessen eine Portion Eis, die vermutlich genügend Kalorien für die nächsten zwei Tage enthält.

Genau solche Restaurants suche ich meistens schon zu Hause.

Darum geht es in diesem Artikel

  • Warum ich Restaurants schon vor der USA-Reise suche
  • Wie ich bei Google nach interessanten Adressen suche
  • Warum Bewertungen allein für mich nicht entscheidend sind
  • Vier Restaurants, die mir aus völlig unterschiedlichen Gründen in Erinnerung geblieben sind
  • Warum sich auch im Urlaub eine Tischreservierung lohnen kann

Meine Restaurantplanung beginnt schon zu Hause

Ich plane unsere Reisen ziemlich genau. Nicht jede Stunde und auch nicht jeden Restaurantbesuch, aber ich möchte ungefähr wissen, was uns an einem Ort erwartet. Das gilt auch fürs Abendessen.

Ich habe wenig Lust, nach einem langen Tag irgendwann um 19 Uhr hungrig im Hotel zu sitzen und erst dann mit der Suche anzufangen. Noch weniger Lust habe ich darauf, ein tolles Restaurant zu finden und anschließend zu erfahren, dass für diesen Abend kein Tisch mehr frei ist.

Deshalb versuche ich, an jeder Station unserer Reise mindestens einen Abend schon vorher fest einzuplanen. Wenn eine Online-Reservierung möglich ist, reserviere ich den Tisch meistens direkt von Deutschland aus. Die anderen Abende bleiben offen. Dann können wir spontan entscheiden, worauf wir Lust haben.

Die Suche selbst ist eigentlich ziemlich unspektakulär: Ich benutze Google und Google Maps.

Wie ich bei Google nach Restaurants suche

Mit „Restaurant New York“ kommt man natürlich nicht besonders weit. Deshalb versuche ich schon bei der Suche zu beschreiben, was ich eigentlich suche.

Das können zum Beispiel solche Suchanfragen sein:

  • best pizza New York
  • local restaurants Key West
  • fine dining Raleigh
  • best steakhouse Greensboro
  • seafood restaurant Fort Lauderdale waterfront
  • restaurants where locals eat Charleston
  • best casual restaurants near [Hotel oder Stadtteil]

Danach schaue ich mir nicht einfach nur die ersten drei Treffer an. Ich öffne einige Restaurants, lese aktuelle Bewertungen, schaue mir die Speisekarte an und – für mich fast noch wichtiger – die Fotos der Gäste.

Professionelle Restaurantfotos können großartig aussehen. Mich interessiert aber, wie der Laden aussieht, wenn dort tatsächlich 80 Gäste sitzen. Wie groß sind die Tische? Wie wirkt die Bar? Wie werden die Gerichte wirklich serviert? Und sieht der Burger auf dem Handyfoto eines Gastes immer noch gut aus?

Mein Tipp: Nicht nur auf die Sterne schauen

Ein Restaurant mit 4,6 Sternen muss für mich nicht automatisch interessanter sein als eines mit 4,4. Ich lese lieber einige aktuelle Bewertungen und schaue, was die Gäste konkret schreiben. Danach werfe ich einen Blick auf die Speisekarte, die Fotos der Gäste, das Preisniveau und die Möglichkeit zur Reservierung. Bei einem etwas feineren Restaurant prüfe ich außerdem, ob es Hinweise zum Dresscode gibt.

Auf diese Weise sind wir in den vergangenen Jahren bei einigen Restaurants gelandet, an die ich mich heute noch erinnere. Vier davon könnten unterschiedlicher kaum sein.

El Mesón de Pepe in Key West – wenn das Restaurant zum Ort passt

Es gibt Restaurants, bei denen Essen und Umgebung einfach zusammengehören. El Mesón de Pepe ist für mich so ein Fall.

Das kubanische Familienrestaurant liegt direkt am Mallory Square in Key West und ist dort bereits seit 1997 zu Hause. Die Geschichte des Restaurants selbst reicht sogar mehr als 40 Jahre zurück. Noch heute wird es von der Familie geführt.

Und genau diese Verbindung aus Florida Keys und kubanischer Kultur macht für mich einen Teil des Reizes aus. Key West ist schließlich nicht einfach irgendein Badeort in Florida. Die Nähe zu Kuba und der kubanische Einfluss gehören zur Geschichte der Insel.

El Mesón de Pepe am Mallory Square in Key West mit Ropa Vieja

Wir saßen draußen, es gab Live-Musik und die ganze Atmosphäre passte einfach zu Key West. Auch im Inneren mit den Fliesen und der Einrichtung sah es so aus, wie ich mir ein solches Restaurant in Kuba vorstellen würde.

Eine kleine Geschichte ist uns dabei bis heute in Erinnerung geblieben. Unser Sohn nahm all seinen Mut zusammen und bestellte seine Cola auf Spanisch. Das funktionierte hervorragend – bis die Bedienung ebenfalls auf Spanisch antwortete. Damit hatte er offenbar nicht gerechnet. Seine Spanischkenntnisse reichten damals zumindest nicht für die Fortsetzung des Gesprächs. Heute sähe das wahrscheinlich schon anders aus.

Ich bestellte Ropa Vieja, ein traditionelles kubanisches Gericht aus langsam geschmortem und anschließend in Fasern gezupftem Rindfleisch. Sehr zart, sehr würzig und richtig lecker.

Bei der Beilage war ich dagegen weniger mutig. Statt der für mich damals ungewohnten Kochbananen bestellte ich Pommes.

Darüber ärgere ich mich heute noch ein bisschen. Pommes bekomme ich schließlich auch in Detmold.

Das Essen war wirklich gut. Was mir aber noch stärker in Erinnerung geblieben ist, sind die Lage am Mallory Square, die Musik und die gesamte Atmosphäre. Genau solche Restaurants suche ich auf Reisen gerne: Ich möchte nicht nur irgendwo essen, sondern möglichst auch etwas von dem Ort mitbekommen, an dem ich gerade bin.

Village Tavern in Greensboro – schön essen, ohne Fine Dining daraus zu machen

Die Village Tavern in Greensboro ist ein ganz anderer Laden. Und vermutlich genau die Art Restaurant, in der ich im Urlaub besonders gerne esse.

Es ist ein typisches amerikanisches Neighborhood Restaurant. Es gibt einen richtigen Restaurantbereich und einen Barbereich. In der Bar geht es lockerer zu, man trifft sich auf ein paar Drinks und kann natürlich genauso etwas essen.

Die Speisekarte ist angenehm amerikanisch: interessante Vorspeisen, Burger, Fisch, Fleisch und Desserts. Inzwischen gibt es Village Tavern an mehreren Standorten in verschiedenen Bundesstaaten. Meine Geschichte gehört aber nach Greensboro in North Carolina.

Und dort habe ich etwas gelernt, das inzwischen sogar meine eigene Küche verändert hat.

Village Tavern in Greensboro mit Barbereich und amerikanischem Meatloaf

Mein Favorit ist der gebratene Meatloaf – für mich unbedingt mit einer zusätzlichen Portion des hausgemachten Bacon Jams.

Als ich diesen Bacon Jam zum ersten Mal probiert habe, war ich irritiert. Im positiven Sinne. Ich mache Bacon Jam selbst und war mir ziemlich sicher, dass die Version der Village Tavern meiner eigenen sehr ähnlich war. Aber da war noch irgendein Geschmack, den ich nicht zuordnen konnte.

Also musste ich herausfinden, was das war.

Ich fragte unsere Bedienung freundlich nach der Zutatenliste – natürlich nur wegen möglicher Allergene. Eine kleine Notlüge. Kurze Zeit später kam sie tatsächlich mit der ausgedruckten Zutatenliste zurück.

Ich verglich im Kopf: praktisch alles wie bei mir. Bis auf eine Zutat.

Kaffee.

Das war es.

Seitdem bekommt mein Bacon Jam zu Hause zum Abschluss einen großzügigen Schluck Kaffee. Und alles ist gut.

Genau deshalb erinnere ich mich an Restaurants

Natürlich war das Essen gut. Aber wenn ich heute an die Village Tavern denke, denke ich zuerst an diesen Bacon Jam und meine erschlichene Zutatenliste. Aus einem normalen Abendessen ist eine Geschichte geworden, die ich Jahre später noch erzähle. Mehr muss ein Restaurant im Urlaub eigentlich gar nicht schaffen.

Second Empire in Raleigh – jetzt darf es wirklich etwas Besonderes sein

Und dann gibt es Abende, bei denen das Restaurant selbst zum Programmpunkt wird.

Das Second Empire Restaurant and Tavern in Raleigh gehört für mich eindeutig in diese Kategorie.

Ich war dort nicht aufgrund meiner üblichen Google-Suche, sondern anlässlich der Hochzeit meines besten Freundes zum Dinner eingeladen. Schon vor dem Essen war klar, dass dies kein gewöhnlicher Restaurantbesuch werden würde.

Das Second Empire befindet sich im historischen Dodd-Hinsdale House an der Hillsborough Street. Das Haus wurde für den damaligen Bürgermeister William H. Dodd gebaut und 1879 fertiggestellt. 1890 kaufte Colonel John W. Hinsdale das Gebäude; seine Familie behielt es bis 1971. Nachdem das Haus später zunehmend verfiel und zeitweise sogar vom Abriss bedroht war, begann die Familie Reynolds in den 1990er-Jahren mit seiner Rettung und Restaurierung. Daraus entstand schließlich das heutige Restaurant.

Der Name Second Empire kommt dabei nicht von ungefähr: Das historische Gebäude ist im sogenannten Second-Empire-Stil erbaut. Allein das Haus macht den Restaurantbesuch deshalb schon zu etwas Besonderem.

Second Empire Restaurant in Raleigh mit historischem Gebäude, Tavern und Dinner

Wir begannen den Abend mit einem Welcome Drink im Barbereich und wechselten anschließend in den Dining Room. Unser Kellner war fantastisch. Er erklärte uns nicht nur ausführlich die Speisekarte, sondern zählte anschließend noch sieben Tagesempfehlungen auf.

Dann sagte er etwas, das ich so in einem Restaurant dieser Klasse noch nie gehört hatte: Wenn uns ein Hauptgericht gefalle, wir aber lieber die Beilagen eines anderen Gerichts dazu hätten, sei das überhaupt kein Problem.

Ich habe selbst ein wenig gastronomische Erfahrung. Und ich weiß, wie begeistert eine Küche normalerweise auf Änderungswünsche reagiert.

Hier wurde es ausdrücklich angeboten.

Ich entschied mich schließlich für ein Filet Mignon mit Kartoffelpüree, feinen Stücken gezupften Rippchenfleisches und Asian Style Kale. Auf dem Papier fand ich diese Kombination zunächst ziemlich gewagt.

Ich bin heute noch froh, dass ich sie bestellt habe.

Für mich hätte dieses Gericht nicht besser sein können.

Was mir vom Second Empire aber mindestens genauso in Erinnerung geblieben ist, war der Service. Das Essen lebte nicht allein von dem historischen Haus und der Atmosphäre. Die Qualität der Speisen, der Umgang mit den Gästen und diese Selbstverständlichkeit, mit der man uns einen besonderen Abend bereiten wollte, passten zusammen.

Auch als „normaler Tourist“ mal nach Fine Dining suchen

Ich würde so einen Abend nicht jeden Tag brauchen. Aber warum nicht einmal während einer USA-Reise bei Google nach „Fine Dining + Stadt“ suchen? Gerade auf einer längeren Rundreise kann daraus ein Abend werden, der später genauso zur Reise gehört wie ein besonderer Aussichtspunkt oder ein Nationalpark.

Jaxson’s in Dania Beach – besonders geht auch ganz anders

Nach dem Second Empire könnte man nun meinen, ein besonderes Restaurant müsse historische Mauern, weiße Tischdecken und einen Kellner haben, der sieben Tagesempfehlungen auswendig aufzählt.

Nein.

Willkommen bei Jaxson’s Ice Cream Parlor & Restaurant.

Auf den Laden sind wir aufmerksam geworden, weil ich bei Google nach einer Eisdiele in der Gegend von Fort Lauderdale gesucht hatte. Genau genommen liegt Jaxson’s in Dania Beach, nur wenige Minuten vom Flughafen Fort Lauderdale entfernt.

Schon zu Hause hatte ich mir die Eissorten auf der Website angesehen. Spätestens bei Death by Chocolate war mein Interesse geweckt.

Und bei Jaxson’s geht es auch sonst nicht gerade zurückhaltend zu. Mehr als 50 Eissorten werden dort angeboten und das Eis wird noch immer direkt vor Ort hergestellt. Seit 1956 gibt es Jaxson’s bereits, und das Unternehmen befindet sich bis heute in Familienbesitz.

Wer es beim Nachtisch völlig übertreiben möchte, findet auf der Karte außerdem den legendären „Original Kitchen Sink“: eine riesige Eisportion für mindestens vier Personen mit verschiedenen Saucen, Bananen, Sahne, Nüssen, Kirschen und Streuseln.

Ich mag den Laden schon allein für diese völlig fehlende Zurückhaltung.

Jaxson's Ice Cream Parlor in Dania Beach mit Restaurant, amerikanischem Essen und Eis

Wir waren zunächst am Nachmittag dort, um Eis zu holen. Dabei sahen wir, dass Jaxson’s nicht nur eine Eisdiele, sondern auch ein richtiges Restaurant ist.

Ein kurzer Blick hinein reichte.

Hier wollten wir am Abend essen.

Also reservierten wir kurzerhand einen Tisch und kamen später wieder. Drinnen ist praktisch jede freie Fläche dekoriert. Alte Nummernschilder, Schilder, Lampen, amerikanischer Kitsch – und mittendrin das Restaurant. Dazu eine lockere, ziemlich lebendige Stimmung.

Das Essen ist typisch amerikanisch mit Burgern, Sandwiches und allem, was dazugehört. Unser gesündestes Abendessen der Reise war es wahrscheinlich nicht. Dafür hat es richtig gut geschmeckt.

Und zum Nachtisch gab es selbstverständlich noch einmal eine große Portion Eis.

Obwohl wir am Nachmittag schon welches gegessen hatten.

Für mich ist Jaxson’s das perfekte Gegenstück zum Second Empire. Beide Restaurants sind mir in Erinnerung geblieben – aber aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Vier Restaurants – und vier verschiedene Arten von „gut“

Genau deshalb tue ich mich mit Restaurantlisten wie „Die zehn besten Restaurants der USA“ schwer.

Was soll denn „das beste Restaurant“ überhaupt sein?

El Mesón de Pepe funktioniert für mich, weil das Essen zur Geschichte und Atmosphäre von Key West passt. Die Village Tavern ist ein Restaurant, in dem ich mich sofort wohlfühle und einen schönen Abend verbringen kann, ohne dass daraus gleich Fine Dining wird. Das Second Empire ist ein Erlebnis, für das ich mir bewusst einen Abend Zeit nehmen würde. Und Jaxson’s ist laut, bunt, ein bisschen verrückt und einfach herrlich amerikanisch.

Keines davon kann das andere ersetzen.

Und genau das macht für mich gutes Essen auf Reisen aus.

Deshalb plane ich mindestens einen Abend vorher

Ich würde niemals jeden Restaurantbesuch einer dreiwöchigen Rundreise Monate vorher reservieren. Das wäre mir viel zu durchgeplant. Manchmal haben wir nach einem langen Tag eben doch nur Lust auf einen Burger. Manchmal entdecken wir unterwegs etwas. Und manchmal holen wir uns einfach etwas und essen im Hotel.

Aber mindestens einen Abend pro Station suche ich mir gerne vorher aus.

Das dauert zu Hause vielleicht 20 Minuten. Ich suche bei Google, öffne ein paar Restaurants, schaue auf die Speisekarten und vor allem auf die Fotos der Gäste. Irgendwann gibt es meistens einen Laden, bei dem ich hängenbleibe.

Dann reserviere ich.

Und manchmal entsteht daraus einfach nur ein gutes Abendessen.

Manchmal entdeckt man eine großartige Eisdiele, kehrt am selben Abend zum Essen zurück und bestellt hinterher trotzdem noch einmal Eis.

Und manchmal erschleicht man sich unter dem Vorwand einer Allergie die Zutatenliste eines Bacon Jams und kocht ihn anschließend zu Hause für den Rest seines Lebens mit Kaffee.

Auch das sind Reiseerinnerungen.

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