Bezahlen in den USA – wie viel Bargeld brauche ich eigentlich noch?

Bei meiner ersten USA-Reise im Jahr 2002 hatte ich etwas Bargeld dabei. Und Traveller Cheques.
Wer jetzt jünger ist und sich fragt, was Traveller Cheques überhaupt waren: Im Grunde waren das Reiseschecks mit einem festen Dollarbetrag. Meine kamen von American Express. Man unterschrieb sie einmal beim Kauf und ein zweites Mal beim Einlösen. Im Geschäft oder Restaurant wurden sie wie Bargeld angenommen und das Wechselgeld bekam man in Dollar zurück.
Eigentlich ein ziemlich cleveres System.
Bis man Traveller Cheques zu je 20 Dollar dabei hatte und eine etwas größere Rechnung bezahlen wollte. Dann wurde aus dem Bezahlen eine kleine Autogrammstunde.
Auch Bargeld erwies sich nicht unbedingt als die perfekte Lösung. In den USA stehen an den Regalen meistens Nettopreise. Die Sales Tax kommt erst an der Kasse dazu. Aus einem schönen glatten Preis wurde dadurch regelmäßig irgendein krummer Betrag – und mein Kleingeldbestand in der Hosentasche wuchs von Tag zu Tag.
Nach meiner zweiten USA-Reise war deshalb klar: Eine andere Lösung musste her.

Also musste eine Kreditkarte her
Meine erste Lösung war damals die naheliegende: eine Mastercard meiner Sparkasse – damals hieß das Ganze bei uns sogar noch Eurocard.
2006 kam eine American Express dazu. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass sich diese Entscheidung zwei Jahre später als ziemlich nützlich erweisen würde.
2008 flog ich nach Las Vegas. Irgendwo auf dem Weg dorthin verschwand mein Portemonnaie. Ob ich es im Flugzeug liegen gelassen oder schon vorher irgendwo verloren hatte, weiß ich bis heute nicht.
Ich weiß aber noch ziemlich genau, was ich hatte, als ich in Las Vegas stand:
10 Dollar.
Keine Kreditkarte. Kein weiteres Bargeld. Nur diesen einen Schein in der Hosentasche.
Las Vegas mit 10 Dollar in der Tasche
Mein erster Anruf ging an die Sparkasse. Die Karte wurde gesperrt und man wollte mir selbstverständlich eine neue schicken.
An meine Heimatadresse.
Innerhalb von acht bis zehn Tagen.
Das war bestimmt gut gemeint, half mir in Las Vegas aber nicht wirklich weiter.
Also rief ich als Nächstes bei American Express an, um auch diese Karte sperren zu lassen. Dort wollte man mir ebenfalls eine Ersatzkarte ausstellen. Dann kam allerdings eine entscheidende Frage:
„Wo in den USA befinden Sie sich gerade?“
Las Vegas.
Die Mitarbeiterin erklärte mir, dass es dort eine American-Express-Repräsentanz gebe. Wenn ich es irgendwie vom Flughafen in die Stadt schaffen würde, könne ich dort eine Ersatzkarte bekommen.
Und genau so habe ich es gemacht.
Für mich war das damals der Retter in der Not. Seit 2006 begleitet mich meine American Express inzwischen auf meinen USA-Reisen – und spätestens seit diesem Erlebnis in Las Vegas steht für mich fest, dass ich sie nicht mehr hergeben möchte.
Eine Erfahrung, die hängen geblieben ist
Der Service von 2008 lässt sich nicht einfach auf heute übertragen. Das damalige Netz aus American-Express-Reisebüros und Repräsentanzen gibt es in dieser Form nicht mehr. Meine Erfahrung erklärt aber, warum ich bis heute eine besondere Verbindung zu dieser Karte habe. Damals stand ich mit 10 Dollar in Las Vegas – und bekam vor Ort wieder eine funktionierende Kreditkarte.
Heute wäre die Situation schon weniger dramatisch
Seit 2008 hat sich beim Bezahlen ziemlich viel verändert.
Meine American Express steckt heute nicht nur im Portemonnaie. Sie befindet sich auch in Apple Pay auf meinem iPhone und meiner Apple Watch. Und gerade beim Verlust einer Karte wird das interessant.
American Express erklärt aktuell, dass bei einer Ersatzkarte die Geräteaccountnummer in Apple Pay automatisch mit der neuen Kartennummer verbunden wird. Die Karte kann über Apple Pay bereits wieder für Transaktionen verwendet werden, bevor die neue physische Karte angekommen ist.
Eine konkrete Garantie wie „nach fünf Minuten funktioniert alles wieder“ gibt American Express allerdings nicht. Darauf würde ich mich also nicht verlassen. Aber gegenüber 2008 ist allein die Möglichkeit, schon vor dem Eintreffen der neuen Plastikkarte wieder digital bezahlen zu können, ein gewaltiger Unterschied.
Die physische Ersatzkarte stellt American Express nach einer Verlustmeldung kostenlos aus. Laut aktuellem deutschen Kundenservice trifft sie in der Regel innerhalb von drei Werktagen an der Rechnungsanschrift ein.

Portemonnaie und Backup trennen
Aus meiner Erfahrung von 2008 habe ich noch etwas gelernt: Ich würde auf einer Fernreise niemals sämtliche Zahlungsmittel an einem Ort aufbewahren. Wenn Portemonnaie, Kreditkarten und Bargeld gemeinsam verschwinden, nützt auch die beste Reservekarte wenig. Eine zusätzliche Karte getrennt aufzubewahren und eine Karte im Smartphone oder auf der Watch zu hinterlegen, kann im Ernstfall ziemlich hilfreich sein.
Welche Karten habe ich heute dabei?
Ich verlasse mich auf einer USA-Reise nicht auf eine einzige Karte.
Meine bevorzugte Karte ist nach wie vor die American Express. Zusätzlich habe ich eine klassische Visa-Kreditkarte meiner Hausbank und eine Visa Debit einer Direktbank dabei.
Die echte Kreditkarte ist für mich vor allem beim Mietwagen wichtig. Debitkarten werden von einigen amerikanischen Vermietern zwar inzwischen akzeptiert, teilweise aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Gerade wenn eine Kaution hinterlegt werden muss, möchte ich darüber im Urlaub nicht diskutieren müssen.
Deshalb gehört für mich mindestens eine klassische Kreditkarte ins Reisegepäck.
So bin ich heute in den USA unterwegs
- American Express als meine bevorzugte Karte
- Visa-Kreditkarte meiner Hausbank als zusätzliche echte Kreditkarte
- Visa Debit einer Direktbank als weitere Reserve
- Apple Pay auf iPhone und Apple Watch
- etwa 50 Dollar Bargeld pro Woche
Aber wird American Express in den USA überhaupt überall akzeptiert?
Die Frage höre ich immer wieder. Und tatsächlich gab es früher häufiger Geschäfte, Restaurants oder kleinere Betriebe, die keine American Express akzeptiert haben.
Heute sieht das deutlich besser aus.
American Express gibt unter Berufung auf den Nilson Report von Februar 2026 an, dass Amex inzwischen an 99 Prozent der Stellen in den USA akzeptiert werden kann, die Kreditkarten annehmen.
Das deckt sich ziemlich gut mit meiner Erfahrung. Im normalen Reisealltag komme ich mit der American Express sehr weit. Trotzdem gibt es gelegentlich einen Laden oder ein Restaurant, in dem sie nicht genommen wird.
Dann hole ich eben die Visa heraus.
Genau deshalb halte ich eine zweite Karte eines anderen Kartensystems für sinnvoll.
Wer sich für eine American Express interessiert, findet hier weitere Informationen zu den aktuellen American-Express-Karten.
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Und wie viel Bargeld brauche ich nun?
Erstaunlich wenig.
Ich rechne inzwischen mit ungefähr 50 Dollar Bargeld pro Woche. Damit komme ich normalerweise problemlos aus.
Das Bargeld brauche ich hauptsächlich für Trinkgeld und kleinere Situationen, in denen ein paar Dollarscheine einfach praktischer sind. Dem Mitarbeiter im Hotel oder dem Taxifahrer möchte ich nicht erst mein Smartphone entgegenhalten.
Falls ich mehr Bargeld benötige, hebe ich es vor Ort am Geldautomaten ab. Das funktioniert mit meiner normalen Bankkarte beziehungsweise Debitkarte nahezu weltweit.
Ob und welche Gebühren dabei anfallen, hängt allerdings von der eigenen Bank und vom Betreiber des Geldautomaten ab. Das sollte man vor der Reise einmal prüfen.
Am Geldautomaten: Dollar oder Euro?
Eine Frage kann dir sowohl am Geldautomaten als auch gelegentlich beim Bezahlen begegnen:
Möchtest du den Betrag in Euro oder in US-Dollar abrechnen lassen?
Ich wähle US-Dollar.
Bei der Abrechnung in Euro wird häufig eine sogenannte Dynamic Currency Conversion, kurz DCC, angeboten. Dabei übernimmt nicht dein Kartenanbieter die normale Währungsumrechnung, sondern der Händler beziehungsweise dessen Zahlungsdienstleister bietet dir direkt einen Eurobetrag und einen eigenen Wechselkurs an.
Das klingt zunächst bequem, muss aber nicht die günstigere Variante sein. Deshalb lasse ich in den USA grundsätzlich in der Landeswährung abrechnen – also in US-Dollar.
USD statt EUR
Wenn dir ein Terminal oder Geldautomat in den USA anbietet, direkt in Euro abzurechnen, schau genau hin. Ich wähle grundsätzlich US-Dollar und überlasse die Währungsumrechnung meinem Kartenanbieter. Prüfe zusätzlich vor der Reise, welche Auslandseinsatz- oder Fremdwährungsgebühren deine eigene Karte berechnet.
Tanken? Karte rein und los
Auch an amerikanischen Tankstellen bezahle ich normalerweise direkt mit Kreditkarte an der Zapfsäule.
Karte einstecken oder – wenn angeboten – kontaktlos bezahlen, Karte autorisieren lassen und tanken.
Ganz so reibungslos funktioniert es mit ausländischen Karten allerdings nicht an jeder Tankstelle. Manche Zapfsäulen fragen beispielsweise nach einem amerikanischen ZIP Code. Eine deutsche Postleitzahl wird dann nicht immer akzeptiert.
In diesem Fall mache ich daraus keine Wissenschaft. Ich gehe hinein, sage die Nummer meiner Zapfsäule und bezahle beim Mitarbeiter.
Mehr steckt nicht dahinter.
Außerdem kann beim Tanken zunächst ein höherer Betrag auf der Karte reserviert werden. Das ist noch nicht die endgültige Tankrechnung, sondern eine vorübergehende Autorisierung. Nach Abschluss des Tankvorgangs wird später der tatsächlich getankte Betrag abgerechnet.
Karte, Handy oder Apple Watch?
Inzwischen ertappe ich mich dabei, dass ich die eigentliche Kreditkarte immer seltener aus dem Portemonnaie hole.
Wo kontaktloses Bezahlen angeboten wird, nutze ich häufig mein iPhone oder gleich die Apple Watch. Das ist schnell und bequem – und ich muss an der Kasse nicht erst nach der richtigen Karte suchen.
Ganz auf die Plastikkarten würde ich trotzdem nicht verzichten. Technik kann ausfallen, ein Terminal kann kein kontaktloses Bezahlen unterstützen und spätestens beim Mietwagen möchte ich meine physische Kreditkarte dabeihaben.
Für mich ist die digitale Karte deshalb kein Ersatz für alle anderen Zahlungsmöglichkeiten, sondern eine zusätzliche.
Von Traveller Cheques zur Apple Watch
Wenn ich darüber nachdenke, hat sich das Bezahlen während meiner USA-Reisen ziemlich verändert.
2002 saß ich mit Traveller Cheques im Restaurant und unterschrieb meine 20-Dollar-Schecks. Danach sammelte ich Münzen in der Hosentasche.
2008 stand ich mit einem einzigen 10-Dollar-Schein in Las Vegas und war ziemlich froh darüber, dass American Express mir vor Ort aus der Patsche helfen konnte.
Heute halte ich meine Apple Watch an ein Terminal und die Sache ist in ein paar Sekunden erledigt.
Was sich nicht geändert hat: Ich möchte im Urlaub nicht lange darüber nachdenken müssen, wie ich meine Rechnung bezahle.
Deshalb habe ich mehrere Karten dabei, bewahre nicht alles gemeinsam auf und stecke ungefähr 50 Dollar Bargeld pro Woche ein.
Mehr brauche ich in den USA normalerweise nicht.
Und Traveller Cheques?
Die vermisse ich wirklich nicht.


