American Football in den USA – mehr als nur ein Spiel

Ich mag American Football. Inzwischen jedenfalls. Auch wenn ich noch längst nicht alle Regeln kenne.
Bei meinem ersten Football-Spiel sah das noch etwas anders aus. Natürlich kannte ich die NFL, wusste ungefähr, wie Football funktioniert, und den Super Bowl hatte ich auch schon gesehen. Aber als wir 2017 zum ersten Mal zu einem Spiel von Wake Forest gefahren sind, ging es eigentlich nur darum, etwas typisch Amerikanisches auszuprobieren.
Mein bester Freund lebt in Greensboro in North Carolina. Wir waren wieder einmal bei ihm zu Besuch und irgendwann entstand die Idee: Wir könnten doch mal zu einem Football-Spiel fahren. Mein Sohn war dabei und so richtig wussten wir nicht, was uns erwartet.
Heute würde ich sagen: Genau so sollte man es machen.
Denn für ein Football-Spiel in den USA muss man kein Experte sein. Man muss noch nicht einmal Fan einer der beiden Mannschaften sein. Wenn auf einer USA-Reise irgendwo in der Nähe ein Spiel stattfindet, würde ich inzwischen immer schauen, ob es sich in die Route einbauen lässt.
Darum geht es in diesem Artikel
- Warum mein erstes College-Football-Spiel bei Wake Forest sofort Lust auf mehr gemacht hat
- Warum das Erlebnis bei einem NFL-Spiel schon auf dem Parkplatz beginnt
- Wie wir in Washington plötzlich Bryce Young am Spielfeldrand trafen
- Was ich bei Tickets, Anreise und Zeitplanung beachten würde
- Warum es eigentlich völlig egal ist, welches Team gerade spielt
Mein erstes Football-Spiel: Wake Forest gegen Louisville
Am 28. Oktober 2017 saßen wir also im damaligen BB&T Field in Winston-Salem. Wake Forest spielte gegen die Louisville Cardinals.
Was mir von diesem Nachmittag besonders in Erinnerung geblieben ist, ist gar nicht unbedingt das Spiel selbst. Es war das ganze Drumherum.
Als wir ankamen, war das Stadion noch erstaunlich leer. Ich weiß noch, dass wir uns gefragt haben, ob das so bleibt. Tat es natürlich nicht. Je näher der Kickoff rückte, desto voller wurde es. Am Ende waren 29.593 Zuschauer im Stadion.

Die Marching Band spielte, die Zuschauer kamen auf ihre Plätze, überall passierte etwas. Dann die Nationalhymne.
Und wir mittendrin.
Genau an diesem Nachmittag habe ich zum ersten Mal verstanden, dass College Football eben nicht einfach nur eine kleinere Ausgabe der NFL ist. Universität, Mannschaft, Studenten und Fans gehören hier irgendwie zusammen. Das merkt man auch als Besucher, der mit Wake Forest vorher eigentlich überhaupt nichts zu tun hatte.
In der Pause sind wir runter, haben uns etwas zu essen und zu trinken geholt und einfach den Nachmittag genossen.
Wake Forest gewann übrigens 42:32. Und erst später wurde mir so richtig bewusst, wen wir damals bei Louisville auf dem Feld gesehen hatten: Lamar Jackson. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits amtierender Heisman-Trophy-Gewinner. Später wurde er zu einem der großen Namen in der NFL.
Wir waren an diesem Nachmittag allerdings hauptsächlich damit beschäftigt, unser erstes Football-Spiel überhaupt zu erleben.
Es war ein fantastischer Nachmittag.
Und ganz sicher nicht unser letzter.
Sieben Jahre später: Jetzt waren wir Panthers-Fans
2024 waren wir wieder bei meinem Freund in Greensboro. Mittlerweile hatte sich die Sache allerdings etwas weiterentwickelt. Vor allem mein Sohn war inzwischen richtiger Carolina-Panthers-Fan geworden.
Nur hatten wir mal wieder Pech: Die Panthers spielten auswärts.
Also machten wir aus dem Problem einen kleinen zusätzlichen Trip. Die Panthers spielten bei den Washington Commanders, daher planten wir zwei Übernachtungen in Washington ein. Ein bisschen Stadt anschauen und am Sonntag Football.
Am 20. Oktober 2024 ging es für uns ins Northwest Stadium. Sportlich gibt es über diesen Nachmittag aus Panthers-Sicht nicht wahnsinnig viel Positives zu berichten. Carolina verlor 7:40.
Aber wenn ich heute an diesen Tag denke, ist das Ergebnis ziemlich weit unten auf der Liste meiner Erinnerungen.
Eigentlich beginnt das Spiel schon auf dem Parkplatz
Wer erst kurz vor dem Kickoff am Stadion ankommt, verpasst meiner Meinung nach einen Teil des Erlebnisses.
Wir kamen auf den Parkplatz und sahen überall Autos mit geöffneten Heckklappen, Grills, Kühlboxen, Tische, Stühle und teilweise sogar Fernseher. Die Leute standen zusammen, grillten, tranken etwas und warteten auf das Spiel.
Tailgating.

Natürlich hatte ich das vorher schon im Fernsehen gesehen. Aber zwischen all diesen Leuten zu stehen, ist etwas anderes.
Was mir dabei besonders aufgefallen ist: Fans beider Mannschaften liefen völlig selbstverständlich durcheinander.
Wir standen schließlich in unseren Panthers-Trikots mitten unter Washington-Fans. Und die Panthers waren 2024 nun wirklich nicht gerade das Team, mit dem man besonders selbstbewusst auftreten konnte.
Ein paar Sprüche gab es natürlich.
Vor allem unsere Bryce-Young-Trikots boten genügend Angriffsfläche.
Aber das war es auch. Man redete miteinander, machte seine Scherze und hatte gemeinsam Spaß. Auch später im Stadion saßen wir umgeben von Washington-Fans. Von Aggressivität oder Anfeindungen haben wir nichts mitbekommen.
Das ist natürlich nur unsere Erfahrung und keine Garantie dafür, dass es bei jedem Spiel genauso abläuft. Im Vergleich zu manchem Fußballspiel, das ich aus Deutschland kenne, fand ich diese entspannte Mischung der Fans aber ausgesprochen angenehm.
„Wir sind extra aus Deutschland gekommen …“
Dann kam der Moment, der aus einem tollen Football-Tag für uns einen Tag gemacht hat, den wir vermutlich nie vergessen werden.
Mein Sohn wollte unbedingt ein Autogramm von Bryce Young.
Also hatten wir uns schon zu Hause etwas einfallen lassen. Wir ließen ein Stoffbanner bedrucken. Sinngemäß stand darauf, dass wir extra aus Deutschland gekommen waren, um ihn zu sehen – und ob er bitte unsere Trikots unterschreiben würde.
Damit stellten wir uns vor dem Spiel unten an den Spielfeldrand.
Ob das funktionieren würde?
Keine Ahnung.
Einige Leute von den Panthers hatten unser Banner jedenfalls entdeckt. Es wurde herübergeschaut, genickt und irgendwie hatten wir das Gefühl: Die haben uns gesehen.
Und dann kam Bryce Young tatsächlich aus dem Spielertunnel.
Nicht irgendwo an uns vorbei.
Zu uns.

Er begrüßte uns, stellte sich vor – was ich angesichts unserer Trikots und unseres Banners ziemlich sympathisch fand – und unterhielt sich kurz mit meinem Sohn. Anschließend unterschrieb er unsere Trikots.
Mein Sohn meinte danach, dass Bryce Young am Spielfeldrand wohl eher selten Trikots unterschreibt.
Ob das tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen.
Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal.
Für uns war es ein großartiger Moment.
Die unterschriebenen Trikots sind heute eingerahmt und hängen bei uns zu Hause an der Wand.
Genau deshalb ist es mehr als nur ein Spiel
Wenn ich heute an diesen Tag denke, fällt mir nicht als Erstes ein, dass die Panthers 7:40 verloren haben. Mir fällt dieser Moment am Spielfeldrand ein. Ohne früh ins Stadion zu gehen, hätten wir ihn wahrscheinlich nie erlebt.
Und dann kommt dieser Gänsehautmoment
Irgendwann nähert sich der Kickoff.
Die Spieler haben sich warm gemacht, die Tribünen werden voller, das Stimmengewirr wird lauter. Dann kommt die Nationalhymne.
Bei unserem Spiel folgte ein Flyover mit einer Militärmaschine, die ziemlich tief über das Stadion flog.
Das ist sehr amerikanisch.
Aber wenn man dort im Stadion steht, die Hymne gerade zu Ende geht und diese Maschine über die Tribünen donnert, ist es schlicht ein Gänsehautmoment.
Und wenige Minuten später fliegt der Football durch die Luft.
Jetzt geht es tatsächlich los.

Muss ich Football verstehen?
Ein bisschen hilft natürlich.
Aber man muss daraus vor der Reise keine Wissenschaft machen.
Wer weiß, dass jede Mannschaft versucht, den Ball in die gegnerische Endzone zu bringen, dass sie normalerweise vier Versuche hat, mindestens zehn Yards Raumgewinn zu erzielen, und dass ein Touchdown sechs Punkte bringt, hat schon eine brauchbare Grundlage.
Den Rest bekommt man mit.
Und falls nicht: auch nicht schlimm.
Ich würde einen Stadionbesuch jedenfalls nicht davon abhängig machen, ob jemand eine Pass Interference erklären oder einen Running Back von einem Tight End unterscheiden kann.
Schaut euch das Spiel an. Beobachtet die Fans. Hört die Musik. Holt euch etwas zu essen. Jubelt mit, wenn alle anderen jubeln.
Der Rest kommt irgendwann von selbst.
Günstig ist der Spaß allerdings nicht
Eines sollte man wissen: Ein NFL-Spiel kann ordentlich ins Geld gehen.
Das beginnt bei den Tickets und geht bei Parken, Essen und Getränken weiter.
Wir haben unsere Tickets über eine Ticketbörse gekauft. Solche Plattformen für den offiziellen beziehungsweise autorisierten Weiterverkauf von Tickets sind im amerikanischen Profisport völlig normal. Die Preise können dabei erheblich schwanken.
Attraktiver Gegner, gute oder schlechte Saison, Sitzplatz, Nachfrage und Zeitpunkt können einen großen Unterschied machen. Deshalb würde ich nicht automatisch den erstbesten Preis akzeptieren, sondern vorher vergleichen und die Entwicklung etwas beobachten.
Und Essen und Getränke im Stadion?
Meine Erinnerung aus Washington ist ziemlich eindeutig:
Teuer.
Wir haben uns natürlich trotzdem etwas geholt. Wenn ich schon bei einem NFL-Spiel bin, gehört das für mich irgendwie dazu.
Mein wichtigster Tipp: Seid früh da
Wenn ich heute ein Football-Spiel in eine Reise einplane, würde ich dafür einen großen Teil des Tages reservieren.
Nicht eine halbe Stunde vor Kickoff auf den Parkplatz fahren.
Das Tailgating gehört dazu. Das Aufwärmen der Spieler gehört dazu. Das Vorprogramm gehört dazu. Und ich möchte genügend Zeit haben, durch das Stadion zu laufen und alles auf mich wirken zu lassen.
Ohne diese zusätzliche Zeit hätten wir Bryce Young vermutlich niemals getroffen.
Auch nach dem Spiel würde ich keinen eng getakteten Termin einplanen. Zehntausende Menschen wollen ungefähr gleichzeitig aus dem Stadion und von den Parkplätzen.
Bei uns dauerte es entsprechend, bis wir wieder unterwegs waren.
Das gehört eben auch dazu.
Mein Tipp für dein erstes Football-Spiel
Schau schon bei der Reiseplanung nach, welche Spiele entlang deiner Route stattfinden. Vergleiche die Ticketpreise und prüfe vor dem Besuch auf der offiziellen Seite des Teams oder Stadions die aktuellen Regeln zu Taschen, Parken und erlaubten Gegenständen. Vor allem aber: Plane genügend Zeit ein und sei deutlich vor dem Kickoff am Stadion.
NFL oder College Football? Eigentlich egal
Wenn ich heute eine USA-Reise plane, würde ich nicht ausschließlich nach NFL-Spielen suchen.
Ich würde einfach schauen: Was findet während meiner Reise überhaupt statt?
NFL? College Football? Spielt irgendwo in der Nähe eine Mannschaft?
Unser erstes Spiel bei Wake Forest hat uns begeistert, obwohl wir vorher keinerlei emotionale Verbindung zu Wake Forest oder Louisville hatten.
Und genau deshalb würde ich College Football keinesfalls als kleine Ersatzlösung betrachten.
Die NFL ist natürlich die große Profishow. College Football fühlt sich anders an. Marching Bands und die enge Verbindung zwischen Universität, Mannschaft, Studenten und Fans geben dem Ganzen eine eigene Atmosphäre.
Für eine USA-Reise kann deshalb beides passen.
Und hier kommt für mich der entscheidende Punkt:
Es muss nicht dein Team sein.
Eigentlich musst du noch nicht einmal ein Team haben.
Und Charlotte?
Da fehlt uns noch etwas.
Wir waren inzwischen oft in Greensboro und damit auch immer wieder in der Nähe von Charlotte. Nur haben wir ein erstaunliches Talent dafür entwickelt, genau dann dort zu sein, wenn die Panthers auswärts spielen.
Immerhin waren wir schon im Bank of America Stadium.
Beim Besuch des Fanshops war ein Mitarbeiter so nett, uns einen kurzen Blick ins komplett leere Stadion werfen zu lassen. Ein paar schnelle Fotos konnten wir ebenfalls machen.

Allein dieses leere Stadion zu sehen, war schon ziemlich cool.
Der Fanshop selbst hat uns dagegen etwas enttäuscht. Wer ein Jersey sucht, wird dort natürlich fündig. Bei anderen Fanartikeln hatten wir allerdings deutlich mehr Auswahl erwartet. Bei Dick's Sporting Goods in einer Mall in Charlotte fanden wir bei unserem Besuch sogar mehr Panthers-Sachen.
Das ist ausdrücklich nur unsere Erfahrung. Bei anderen Teams oder auch zu einem anderen Zeitpunkt kann das ganz anders aussehen.
Unser eigentliches Ziel ist sowieso noch offen:
Ein Panthers-Heimspiel in Charlotte.
Das kommt noch.
Ob Football-Fan oder nicht: Geh hin
Wenn du diesen Artikel liest und mit American Football eigentlich nicht viel anfangen kannst, ist das vollkommen in Ordnung.
Vielleicht bist du während deiner Reise in Atlanta, Charlotte, Miami, Seattle, Dallas oder irgendwo anders und stellst fest, dass an diesem Wochenende ein Spiel stattfindet.
Vielleicht NFL.
Vielleicht College Football.
Vielleicht kennst du keine einzige der beiden Mannschaften.
Geh trotzdem hin.
Fahr früh zum Stadion. Schau dir das Tailgating an. Stell dich zwischen die Fans. Geh rechtzeitig hinein. Schau beim Aufwärmen zu. Erlebe die Hymne, die Marching Band, die Musik, das Publikum und irgendwann zwischendrin natürlich auch das Football-Spiel.
Denn genau das habe ich aus meinen beiden Stadionbesuchen mitgenommen:
Es ist eigentlich völlig egal, ob dein Team spielt. Und es ist sogar ziemlich egal, ob du überhaupt Football-Fan bist.
Die Stimmung kann ich hier beschreiben.
Erleben musst du sie selbst.
Für uns war der NFL-Tag in Washington trotz Niederlage, teurer Tickets, teurem Essen und Verkehrschaos nach dem Spiel jeden Dollar wert.
Und wir?
Wir warten weiter auf den Moment, an dem die Panthers endlich einmal zu Hause spielen, wenn wir in North Carolina sind.
Dann stehen wir wieder da.
Diesmal in Charlotte.
Und vermutlich wieder viel zu früh vor dem Stadion.


