Chick-fil-A – warum habe ich das erst nach 40 USA-Reisen entdeckt?

Eigentlich ist es fast ein bisschen peinlich.
Ich war inzwischen mehr als 40 Mal in den USA. Ich habe dort jede Menge Burger gegessen, diverse Restaurantketten ausprobiert und vermutlich mehr amerikanisches Fast Food getestet, als ernährungsphysiologisch unbedingt notwendig gewesen wäre.
Bei Chick-fil-A war ich trotzdem noch nie.
Das änderte sich erst im Sommer 2026. Ich war in North Carolina zur Hochzeit meines besten Freundes, der schon seit vielen Jahren in den USA lebt. Irgendwann schlug er vor, bei Chick-fil-A etwas essen zu gehen.
Okay. Warum nicht?
Also rein, Chicken Sandwich bestellt und probiert.
Und ich war ziemlich schnell überzeugt.
Noch während wir aßen, schaute ich meinen Freund an und fragte ihn, warum es eigentlich über 25 Jahre gedauert hat, bis er mir Chick-fil-A gezeigt hat.
Als Antwort bekam ich nur ein müdes Lächeln.
Eigentlich ist da gar nicht viel dran
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis von Chick-fil-A.
Die Speisekarte erschlägt einen nicht mit unzähligen Burgern und irgendwelchen wilden Kombinationen. Hier geht es in erster Linie um Chicken.
Der Klassiker ist das Original Chick-fil-A Chicken Sandwich: paniertes Hähnchenfilet, ein leicht gebuttertes Brötchen und zwei Gewürzgurkenscheiben.
Das war's im Wesentlichen schon.
Klingt nicht sonderlich spektakulär. Schmeckt aber verdammt gut.
Daneben gibt es unter anderem eine schärfere Variante und Nuggets. Das Chicken wird direkt im Restaurant paniert und in raffiniertem Erdnussöl zubereitet.
Und dann wären da natürlich noch die Waffle Fries.

Diese komischen Gitter-Pommes gehören einfach dazu
Beim ersten Anblick könnte man sich fragen, warum die Pommes bei Chick-fil-A wie kleine Kartoffelgitter aussehen.
Das sind die Waffle Fries.
Außen knusprig, innen weich – und spätestens mit der richtigen Sauce wird die Sache gefährlich.
Denn über das Chicken können wir gerne diskutieren. Bei der Sauce bin ich weniger kompromissbereit.
Chick-fil-A Sauce: Davon müssen zwei Flaschen mit
Die Chick-fil-A Sauce geht geschmacklich in Richtung Honig-Senf und Barbecue: etwas süßlich, etwas rauchig und für mich genau richtig zu Chicken und Waffle Fries.
Und offensichtlich auch gut genug, um dafür Platz im Koffer zu reservieren.
Inzwischen lautet meine persönliche Regel deshalb: Zwei Flaschen Chick-fil-A Sauce müssen mit nach Deutschland.
Eine wäre schließlich irgendwann leer.
Und zwei sind noch keine Vorratshaltung.
So würde ich beim ersten Mal bestellen
Ich würde gar nicht lange auf die Speisekarte schauen: Original Chick-fil-A Chicken Sandwich, Waffle Fries, Chick-fil-A Sauce und dazu eine Lemonade. Genau so würde ich wieder anfangen.
Lemonade statt der üblichen Cola
Auch bei den Getränken gibt es etwas, das ich bei Chick-fil-A passender finde als die obligatorische Cola: die Lemonade.
Daneben gibt es Sweet Tea – gerade im Süden der USA ohnehin allgegenwärtig – und natürlich die üblichen Softdrinks.
Wer danach tatsächlich noch Platz hat, kann sich an die Milkshakes wagen. Cookies & Cream und Chocolate gehören zu den Klassikern, außerdem gibt es immer wieder saisonale Sorten.
Ich persönlich würde allerdings erst einmal Sandwich, Waffle Fries und Sauce bewältigen.
Wir sind schließlich nicht zum Leistungssport hier.
Und was hat es mit „My pleasure“ auf sich?
Etwas anderes fällt bei Chick-fil-A ziemlich schnell auf: der Service.
Bedankt man sich bei einem Mitarbeiter, bekommt man sehr häufig kein „You're welcome“, sondern:
„My pleasure.“
Das ist kein Zufall. Unternehmensgründer Truett Cathy hatte diese Antwort selbst einmal bei einem Hotelbesuch gehört, fand sie bemerkenswert und übernahm sie später für seine Restaurants.
Heute gehört „My pleasure“ zu Chick-fil-A fast genauso wie das Chicken Sandwich.
Überhaupt habe ich Chick-fil-A bei meinem ersten Besuch als erstaunlich gut organisiert erlebt. Vor manchen Filialen sieht man Autoschlangen, bei denen ich in Deutschland wahrscheinlich direkt weiterfahren würde.
Trotzdem geht es oft ziemlich flott.
Nur sonntags solltest du dir etwas anderes suchen
Eine Besonderheit sollte man bei der Reiseplanung kennen:
Chick-fil-A hat sonntags geschlossen.
Und zwar grundsätzlich.
Die Tradition geht auf Unternehmensgründer Truett Cathy zurück. Bereits 1946 entschied er bei seinem damaligen Restaurant, sonntags nicht zu öffnen. Daran hält Chick-fil-A bis heute fest.
Also lieber nicht auf Sonntag verschieben
Wenn Chick-fil-A auf deiner persönlichen USA-Liste steht, plane den Besuch einfach an einem anderen Wochentag ein. Mit inzwischen mehr als 3.000 Restaurants findet sich auf einem Roadtrip normalerweise irgendwann eine Filiale, die gut zur Strecke passt.
Vom kleinen Restaurant zur großen Kette
Die Geschichte von Chick-fil-A begann in Georgia. Das erste Restaurant unter dem Namen Chick-fil-A eröffnete Truett Cathy 1967 in der Greenbriar Mall in Atlanta.
Inzwischen gibt es mehr als 3.000 Restaurants. Chick-fil-A ist also längst keine kleine Südstaatenkette mehr.
Trotzdem verbinde ich die Kette wahrscheinlich für immer mit North Carolina.
Schließlich habe ich dort mehr als 40 USA-Reisen gebraucht, um sie überhaupt zu entdecken.
Und was haben eigentlich die Kühe damit zu tun?
Wer in den USA über die Interstate fährt, hat vielleicht schon einmal eine dieser Chick-fil-A-Werbungen gesehen: Kühe, die mehr oder weniger verzweifelt versuchen, die Amerikaner vom Rindfleisch abzubringen.
Die Botschaft ist entsprechend einfach – und absichtlich nicht ganz fehlerfrei geschrieben:
„Eat Mor Chikin“.

Man kann über amerikanische Werbung sagen, was man will: Das bleibt hängen.
Und inzwischen verstehe ich die Kühe sogar ein bisschen.
Muss man dafür wirklich zu Chick-fil-A?
Natürlich nicht.
Am Ende reden wir immer noch über Fast Food und ein paniertes Stück Hähnchen in einem Brötchen.
Aber genau solche Dinge gehören für mich zu einer USA-Reise dazu.
Ich möchte nicht drei Wochen lang nur Restaurants besuchen, die bei Google ganz oben stehen. Genauso wenig möchte ich jeden Abend Steak für 60 Dollar essen.
Manchmal möchte ich einfach wissen, warum vor einem Fast-Food-Restaurant eine Autoschlange steht.
Also probiere ich es aus.
Bei Chick-fil-A hätte ich das offensichtlich schon deutlich früher tun sollen.
Nach meinem ersten Besuch im Sommer 2026 war jedenfalls ziemlich schnell klar, dass es nicht der letzte bleiben würde.
Und wenn ich meinen Freund das nächste Mal sehe, müssen wir vielleicht noch einmal darüber sprechen, warum er mir diesen Laden über 25 Jahre lang verschwiegen hat.
Das müde Lächeln reicht mir als Erklärung nämlich immer noch nicht.


