Unsere Neuengland-Rundreise – so entsteht eine Route

Mehr als 40 Reisen in die USA liegen inzwischen hinter mir. In Neuengland war ich trotzdem noch nie.
Das soll sich im Sommer 2028 ändern. Dann geht es mit meiner Familie für gut drei Wochen in den Nordosten der USA.
Ganz unbekannt ist mir die Region allerdings nicht. Ich habe bereits einige Kunden auf Neuengland-Rundreisen geschickt – und die Rückmeldungen waren bisher durchweg positiv. Diesmal plane ich die Reise aber nicht für einen Kunden, sondern für uns selbst.
Und weil die Planung inzwischen schon ziemlich weit fortgeschritten ist, dachte ich mir: Warum eigentlich erst nach der Reise darüber schreiben?
Gerade an dieser Route lässt sich ganz gut zeigen, wie bei mir eine Rundreise entsteht. Denn am Anfang steht eben nicht einfach eine Liste mit Hotels, die ich anschließend über Google Maps miteinander verbinde.

22 Nächte, 23 Tage – und trotzdem nicht alles
Unsere Route führt von Newport und Cape Cod über Boston bis nach Maine. Danach geht es durch die White Mountains nach Vermont und durch die Adirondacks zurück nach New York.
Das klingt nach ziemlich viel Programm. Trotzdem war mir wichtig, nicht jeden Tag das Hotel zu wechseln. An den Orten, die uns besonders interessieren, bleiben wir deshalb zwei oder drei Nächte.
Im Grunde ist es die klassische Neuengland-Rundreise
Newport, Cape Cod, Boston, Maine, Acadia, die White Mountains und Vermont – wer sich etwas mit Neuengland beschäftigt, wird viele Stationen unserer Route wiedererkennen.
Wir erfinden das Rad also nicht neu.
Interessanter finde ich die Frage, was man aus diesem Grundgerüst macht. Wo bleiben wir nur eine Nacht? Wo wollen wir zwei oder sogar drei volle Tage haben? Welche Unterkunft wählen wir? Und welche Orte, die auf den ersten Blick vielleicht noch gar nicht dazugehören, landen irgendwann doch auf der Route?
Genau an diesen Stellen wird eine Rundreise für mich individuell.
Wie suche ich ein Hotel aus, das ich selbst noch nicht kenne?
Das ist bei dieser Reise natürlich eine berechtigte Frage. Schließlich kann ich bei vielen Unterkünften in Neuengland noch nicht sagen: Dort habe ich selbst schon geschlafen.
Ein gutes Beispiel ist das Hyannis Inn auf Cape Cod.
Das Hotel habe ich schon vor längerer Zeit für Kunden ausgewählt. Und wenn ich eine Unterkunft in einer Region suche, in der ich selbst noch nicht war, betreibe ich dafür eine ziemlich aufwendige Recherche.
Ich verlasse mich nicht auf eine einzelne Bewertungszahl.
Ich schaue mir die Bewertungen auf meiner Buchungsplattform an. Danach lese ich Google Reviews und vergleiche sie mit anderen Bewertungsportalen. Anschließend öffne ich Google Maps und sehe mir die Umgebung an.
Gibt es Restaurants in der Nähe? Kann man irgendwo etwas einkaufen? Wie sieht es mit Parkplätzen aus? Macht die Umgebung einen vernünftigen Eindruck? Muss man für jede Kleinigkeit wieder ins Auto steigen?
Und irgendwann kommt natürlich noch die Frage, was das Ganze kostet.
Erst wenn das Gesamtbild stimmt, landet ein Hotel in der engeren Auswahl.
Das Hyannis Inn hat den ersten Test schon bestanden
Mehrere meiner Kunden haben dort bereits übernachtet und mir anschließend vor allem von den netten Gastgebern und der angenehmen Unterkunft berichtet. Solche Rückmeldungen sind für mich enorm wertvoll. Deshalb werden wir das Hyannis Inn 2028 nun selbst ausprobieren.
Einfach blind eine Hotelkette zu buchen, deren Namen ich kenne, kommt für mich dagegen nicht infrage. Damit habe ich auf einer eigenen Reise schon schlechte Erfahrungen gemacht.
Eine kleine Ausnahme gibt es: In Hampton Inns by Hilton habe ich inzwischen wirklich oft übernachtet und wurde bisher noch nie enttäuscht. Trotzdem schaue ich mir auch dort vorher Lage, Bewertungen und Preis an.
Und natürlich gibt es neben Hampton Inn jede Menge andere gute Unterkünfte. Man muss sie nur finden.
Boston zeigt, dass Reiseplanung immer ein Kompromiss ist
Ein gutes Beispiel dafür könnte Boston werden.
Übernachtungen in der Stadt sind teuer. Sehr teuer teilweise. Deshalb überlegen wir momentan, für unsere drei Nächte ein Hotel in Quincy zu nehmen.
Der Vorteil: Dort bekommt man voraussichtlich mehr Hotel fürs Geld und kann das Auto stehen lassen. Von Quincy aus kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Boston.
Der Nachteil ist genauso offensichtlich: Wir schlafen eben nicht mitten in Boston und müssen für jeden Tag in der Stadt zusätzliche Fahrzeit einplanen.
Ob diese Rechnung am Ende wirklich aufgeht?
Kann ich euch nach der Reise sagen.
Und genau das finde ich spannend. Auf dem Papier kann eine Idee hervorragend aussehen. Ob sie in der Praxis genauso gut funktioniert, merkt man manchmal erst vor Ort.
Acadia ist bei uns gesetzt
Manche Stationen brauchen dagegen überhaupt keine lange Diskussion.
Mein Sohn hat sich vorgenommen, in seinem Leben alle US-Nationalparks mindestens einmal zu besuchen. Ob das irgendwann klappt, wird sich zeigen. Aber wenn wir schon durch Maine fahren, gibt es am Acadia National Park jedenfalls kein Vorbeikommen.

Deshalb bleiben wir drei Nächte in Bar Harbor und haben zwei volle Tage für den Nationalpark.
Das ist mir lieber, als Acadia irgendwie zwischen Frühstück und Weiterfahrt in die White Mountains zu quetschen. Park Loop Road, die felsige Atlantikküste, Jordan Pond und natürlich Cadillac Mountain sollen schließlich nicht nur Punkte auf einer Liste werden.
Außerdem haben wir damit etwas Luft für das Wetter. Wenn der erste Tag grau und verregnet ist, ist nicht gleich der komplette Besuch gelaufen.
Acadia muss man rechtzeitig planen
Für einzelne Bereiche des Nationalparks gelten in der Hauptsaison Reservierungsregeln. Aktuell betrifft das unter anderem die Fahrt über die Cadillac Summit Road. Da unsere Reise erst 2028 stattfindet, werde ich die dann gültigen Bestimmungen rechtzeitig vorher noch einmal prüfen.
Manchmal beginnt ein Teil der Route mit Eis
Vermont ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich meine Routen mit der Zeit weiterentwickeln.
Irgendwann hatte ich im Fernsehen einen Bericht über Ben & Jerry's gesehen. Hängen geblieben war bei mir vor allem, dass das Unternehmen irgendwo in Neuengland seinen Sitz beziehungsweise eine Fabrik hat.
Also habe ich irgendwann nachgeschaut.
Waterbury, Vermont.
Und siehe da: Das passt ziemlich gut in unsere Route.
Heute ist aus dieser kleinen Idee ein Aufenthalt mit zwei Nächten in Burlington geworden. Von dort wollen wir Waterbury, Ben & Jerry's und Stowe miteinander verbinden und dabei natürlich auch etwas von Vermont sehen.

Genau so entstehen meine Routen häufig.
Zuerst steht das grobe Gerüst. Dann entdecke ich etwas, das mich interessiert. Ich schaue nach, wo es liegt und ob es sinnvoll in die Reise passt. Manches fliegt sofort wieder raus. Anderes fügt sich erstaunlich gut ein.
Und irgendwann wird aus einer Linie auf Google Maps langsam eine Reise.
Niagara Falls – irgendwann muss man auch etwas streichen
Mindestens genauso wichtig wie das Hinzufügen ist allerdings das Weglassen.
Die Niagara Fälle waren lange ein Kandidat für diese Reise. Ich war selbst noch nie dort und würde sie gerne einmal sehen.
Das Problem ist nur die Landkarte.
Von Vermont aus bis Niagara ist es ein ordentlicher Schlenker nach Westen. Und danach müssen wir wieder zurück Richtung New York City.
Für einen Ort, an dem ich wahrscheinlich nach gut zwei Stunden sagen würde „Okay, beeindruckend – und jetzt?“, war mir das am Ende einfach zu viel zusätzliche Fahrerei.
Also mussten die Niagara Fälle wieder raus.
Das ist übrigens einer der schwierigsten Teile einer Reiseplanung: etwas zu streichen, das man eigentlich gerne sehen würde.
Aber eine Rundreise wird meiner Meinung nach nicht automatisch besser, nur weil man noch eine Sehenswürdigkeit hineinbekommt.
Und plötzlich waren da die Adirondacks
Während ich wieder einmal auf Google Maps über der Route saß, fiel mein Blick auf ein großes grünes Gebiet im Norden des Staates New York: die Adirondacks.
Lake Placid, Whiteface Mountain, Mirror Lake, Berge, Seen und jede Menge Natur.
Das passte.
Also wurden aus dem großen Umweg zu den Niagara Fällen zwei Nächte in Lake Placid.
Ob das am Ende die richtige Entscheidung war, weiß ich heute natürlich noch nicht. Aber für unsere Reise fühlt sie sich richtig an.
Und genau darum geht es mir bei individueller Reiseplanung: Niagara ist deshalb nicht schlechter und die Adirondacks sind nicht automatisch besser. Die Adirondacks passen einfach besser zu dieser Route.
Privaturlaub – und trotzdem auch eine Inforeise
Eines darf bei der ganzen Planung nicht untergehen: Das wird unser Familienurlaub.
Ich werde also nicht mit Klemmbrett durch Neuengland laufen und jeden Abend einen Bewertungsbogen ausfüllen.
Ganz abschalten kann – und möchte – ich den Reiseveranstalter in mir trotzdem nicht.
Für mich ist diese Reise deshalb gleichzeitig eine kleine Inforeise.
Ich werde mich unterwegs hier und da mit Leistungsträgern treffen. Wir werden Ausflüge ganz normal buchen und bezahlen, die mich auch deshalb interessieren, weil sie später für meine Kunden infrage kommen könnten.
Und wenn sich die Gelegenheit ergibt, spreche ich vor Ort gerne mit den Mitarbeitern oder manchmal auch mit dem Chef.
Denn eine Attraktion sieht aus Sicht eines Urlaubers manchmal anders aus als auf der eigenen Website.
Wie funktioniert die Organisation? Wie viel Zeit sollte man wirklich einplanen? Für welche Altersgruppe ist ein Ausflug geeignet? Ist er sein Geld wert? Würde ich dafür bei einer individuell geplanten Rundreise einen Umweg einbauen?
Solche Fragen lassen sich am besten beantworten, wenn man es selbst ausprobiert hat.
Und dann wäre da noch das Essen
Bei Restaurants wird es ähnlich sein.
Natürlich können wir auch in Neuengland in eine Cheesecake Factory oder eine andere große Restaurantkette gehen. Und vermutlich werden wir das sogar tun.
Der Vorteil einer Kette ist schließlich, dass man ziemlich genau weiß, was einen erwartet. Meine Chicken-Gerichte bei der Cheesecake Factory schmecken in Florida nicht plötzlich völlig anders als in Massachusetts.
Spannender finde ich auf dieser Reise aber die vielen unabhängig geführten Restaurants.
Neuengland und Seafood gehören natürlich zusammen. Lobster, Clams und Fisch werden uns wahrscheinlich ständig begegnen.
Nun besteht unsere Familie allerdings nicht ausschließlich aus begeisterten Seafood-Essern. Deshalb interessiert mich genauso, wo es ein gutes Stück Fleisch gibt, wer einen ordentlichen Burger macht oder ob irgendwo eine kleine Pizzeria auftaucht, für die sich ein Abstecher lohnt.
Ich suche „dieses eine“ Restaurant
Mein Ziel ist eigentlich ganz einfach: In jedem Ort würde ich gerne dieses eine Restaurant finden, bei dem ich später sagen kann: Wenn ihr in Newport seid, geht dort hin. Wenn ihr in Bar Harbor übernachtet, probiert das aus. Und wenn ihr abends in Burlington Hunger bekommt, habe ich einen Tipp für euch.
Das muss weder das teuerste Restaurant noch das mit den meisten Google-Bewertungen sein.
Es muss einfach gut sein.
Ob ich in jedem Ort fündig werde? Keine Ahnung.
Genau das möchte ich herausfinden.
New York kommt bei uns ganz bewusst zum Schluss
Nach gut zweieinhalb Wochen Neuengland und Adirondacks endet unsere Reise mit vier Nächten in New York City.
Meine Tochter und ich sind ziemlich schwer verliebt in diese Stadt. Deshalb soll New York diesmal das große Finale werden.
Für einen Erstbesucher würde ich das übrigens wahrscheinlich anders planen.
Wer zum ersten Mal nach New York kommt, möchte normalerweise alles sehen. Times Square, Central Park, Freiheitsstatue, Brooklyn Bridge, Aussichtsplattform, Fifth Avenue – und am besten alles gleichzeitig.
Diesen Tatendrang hat man am Anfang einer Reise eher als nach drei Wochen Roadtrip. Deshalb würde ich New York bei einer ersten USA-Reise tendenziell an den Anfang setzen.
Wir waren aber schon mehrfach dort.
Wir wissen, was uns erwartet. Und vor allem wissen wir inzwischen, dass wir nicht mehr von einem Highlight zum nächsten hetzen müssen.
Vielleicht verbringen wir einen Nachmittag einfach im Central Park. Vielleicht setzen wir uns irgendwo hin, essen ein Stück Kuchen und schauen den Leuten zu. Vielleicht gehen wir shoppen. Und wenn wir Lust auf eine Sehenswürdigkeit haben, machen wir eben das.
Ich glaube, dass wir New York dadurch am Ende der Reise tatsächlich genießen können.
Ist das die perfekte Neuengland-Rundreise?
Keine Ahnung.
Und genau das meine ich ernst.
Auf dem Papier gefällt mir die Route inzwischen verdammt gut. Die Rückmeldungen meiner Kunden zu Neuengland waren bisher ebenfalls durchweg positiv.
Aber erst im Sommer 2028 werden wir herausfinden, wie gut unsere Planung dem Praxistest standhält.
Vielleicht bleiben wir irgendwo zu kurz. Vielleicht war eine Station überflüssig. Vielleicht funktioniert die Idee mit dem Hotel außerhalb von Boston hervorragend – oder ich würde es beim nächsten Mal völlig anders machen.
Und ziemlich sicher werden wir unterwegs irgendeinen Ort, ein Restaurant oder einen Ausflug entdecken, der heute noch überhaupt nicht in meiner Planung steht.
Genau das gehört für mich zu einer guten Rundreise dazu.
Wenn wir nach gut drei Wochen wieder im Flieger nach Deutschland sitzen, möchte ich deshalb nicht nur sagen können: Das war ein schöner Familienurlaub.
Ich möchte auch mit einem ziemlich gut gefüllten Notizbuch zurückkommen. Mit Unterkünften, die ich guten Gewissens empfehlen kann. Mit Ausflügen, die ihr Geld wert sind. Mit Restaurants, die ich wieder besuchen würde. Und wahrscheinlich auch mit ein paar Dingen, von denen ich meinen Kunden künftig eher abraten werde.
Denn genau dafür reicht am Ende keine Google-Bewertung.
Aber bis dahin steht erst einmal die Planung.
Und die gefällt mir inzwischen ziemlich gut.


